Kondominat


"Do isch Badisch!"

Kürnbach hatte einen eigenen Ortsadel. Die Herren von Kürbach begegnen uns zuerst im Hirsauer Kodex um 1080 mit einem "Conrad de Quirnbach". Mit Werner und Drutwin von Kürnbach hören die Nachrichten über diese Familie 1227 bzw. 1231 auf.

Die Herren von Sternenfels sind höchstwahrscheinlich die Nachkommen eines Zweiges dieser Herren von Kürnbach, die sich nach der neu erbauten benachbarten Burg in Sternenfels nannten. Als Ältester ist 1232 ein Cunradus de Sterrenvils bekannt. Die Herren von Sternenfels besaßen einen Großteil von Kürnbach zunächst als Eigentum. 1297 schenkte Diether von Sternenfels dem Deutschen Orden den Kirchenzehnt. 1332 sind zwei Brüder von Sternenfels Lehnsträger der Grafen von Katzenelnbogen, um diese Zeit erwarb auch Württemberg einen Teil des Ortes - damit beginnt die Zeit des Kondominats.

Die Anteile der Grafen von Katzenelnbogen gingen 1479 mit deren Aussterben im Erbgang auf die Landgrafen von Hessen (Darmstadt) über, die sich nach 1598 mit dem Aussterben des Kürnbacher Ortsadels auch den sternenfelsischen Eigenbesitz aneignen. Württemberg behielt seinen Anteil, bis er 1810 durch den Vertrag von Paris an Baden kam.

Damit hat Kürnbach eine staatsrechtliche Rarität zu bieten. Während nahezu alle anderen neuzeitlichen Kondominate unter Napoleon aufgelöst werden sollten, behielt Kürnbach seinen Status als Kondominatsgemeinde.

Kondominat (von lat. condominium, condominare) bedeutet etwa "Herrschaft mehrerer".

Die kommunalen Rechtsverhältnisse waren in der eigens für Kürnbach herausgegebenen Gemeindeordnung geregelt.

Alle wichtigen Ämter waren "doppelt" besetzt, eben hessisch und badisch. Kürnbach hatte neben der "Kondominatskasse" auch zwei Gemeindekassen, dazu ein hessisches und ein badisches Standesamt, einen hessischen und einen badischen Bürgermeister. Diese hatten abwechselnd für jeweils drei Jahre den Vorsitz im - aus dem hessischen und badischen Gemeinderat - gemeinschaftlich gebildeten Kondominatsgemeinderat. Während dieser Zeit nannten sie sich "dirigierender Bürgermeister".

Die Staatsbürgerschaft der Ortsbewohner gründete sich aus der Staatszugehörigkeit ihres jeweiligen Wohnhauses. Zog etwa ein Hesse in ein badisches Haus um, wurde er automatisch zum Badener und umgekehrt.

Kürnbach sollte nun bis zum 31.12.1904 zu zwei Dritteln hessisch und zu einem Drittel badisch sein.

Während der Kondominatszeit hatte Kürnbach zwei Bürgermeister, zwei Standesämter, zwei Keltern, die auch heute noch als Zeichen des Kondominats erhalten sind, zwei Förster, beinahe alle Einrichtungen waren doppelt vorhanden. Eine Ausnahme bestand im Rechnungswesen. Die Gemeinde hatte drei Gemeinderechner: einen Kondominatsrechner, einen hessischen und badischen Gemeinderechner.

Die Bürgermeister wurden auf 6 Jahre gewählt, wobei jeder 3 Jahre der "Regierende" war.

Nach langen zähen Verhandlungen zwischen Hessen und Baden wurde das Kondominat am 1.1.1905 aufgelöst. Es hatte über 600 Jahre lang Bestand. Im Mittelalter gab es viele Kondominate, doch nur das Kondominat Kürnbach hat die napoleonische Zeit überdauert.

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